Wald und Wasser – 05.10.2018

Wald und Wasser – 05.10.2018

Die trockene Witterung der letzten Monate hat den Wasserstand von Flüssen, Bächen und Teichen im Frankenwald teils dramatisch abgesenkt. Neben den negativen Veränderungen für die Pflanzenwelt in Land- und Forstwirtschaft durch das fehlende Wasser, mussten bedauerlicherweise auch acht Floßfahrten auf der Wilden Rodach abgesagt werden. Aus dieser Situation des Sommers 2018 heraus stellte sich die Frage nach der grundsätzlichen Verfügbarkeit größerer Mengen von Oberflächenwasser im Frankenwald.

 

Auf Initiative unseres Vorsitzenden Ralf Kremer fand am 05.10.2018 ein informelles Treffen in den Staats- und Privatwäldern rund um Geroldsgrün statt. Grundüberlegung ist, welche positiven Auswirkungen die Anlage größerer Standgewässer in den Tälern des gesamten Frankenwaldes haben kann.

 

Ein Hauptaspekt der Diskussion war der Brandschutz in der Region. Der Kreisbrandrat des Landkreises Hof, Herr Reiner Hoffmann, konnte sich ein direktes Bild von der Trockenheit des Waldbodens und der Vegetation machen. Weiterhin wurde festgestellt, dass ein Großteil der Bachläufe, welche als Zuflüsse für den Lamitzbach (Zufluss zur Wilden Rodach) dienen, trockengefallen sind. Der Kreisbrandinspektor des Inspektionsbereiches III im Landkreis Hof, Herr Rolf Hornfischer, stellte fest, dass ein Aufstauen dieser Gewässer zum Zwecke der Wasserentnahme im Brandfall aktuell nicht möglich sei.

In einem realen Brandeinsatz würden die Feuerwehren über Pendelbetrieb mit Tanklöschfahrzeugen Trinkwasser aus den Versorgungsetzen der umliegenden Gemeinden beziehen können und zum Brandherd fahren. Parallel hierzu würde bei Bedarf eine weitere Löschwasserversorgung mit Bach- oder Teichwasser durch landwirtschaftliche Tankfahrzeuge gewährleistet werden können. „Sollte das Ausmaß des Brandereignisses weitreichender sein, wäre durch die Ausrufung des Katastrophenfalls eine Unterstützung durch weitere Kräfte, wie z. B. Brandbekämpfung aus der Luft möglich,“ so Hoffmann. Zur Errichtung solcher Logistikketten für Wasser sind gut ausgebaute Forstwege und Ortskenntnis örtlicher Lotsen unersetzlich.

Wie wichtig die örtliche Verfügbarkeit von Wasser zur Brandbekämpfung ist, zeigte der Brand der Rauschenhammermühle im Sommer 2015. Je näher das verfügbare Wasserreservoir, desto schneller und effektiver kann die Brandbekämpfung stattfinden. Eine Ausweitung von Schadereignissen kann somit besser verhindert werden. Die Notwendigkeit zur schnellen Eindämmung von Waldbränden ist auch wegen der Folgeschäden (z.B. Wiederaufforstung, Erosion), und der bereits geleisteten Fortschritte beim Waldumbau hin zu klimatoleranten Mischwäldern gegeben.

 

Herr Leonhard Nossol, machte auf die Wasserrückhaltewirkung bei Starkregenereignissen aufmerksam. Je nach Volumen und Füllstand können kleinere oder größere Standgewässer auch dazu dienen, Regenwasser bei schweren Gewittern zurückzuhalten und somit Abflussspitzen in den unterliegenden Regionen zu reduzieren. Dies wäre natürlich stark von der baulichen Größe dieser Stauräume abhängig und müsse überregional betrachtet werden.

 

Die Anlage eines oder mehrerer Rückhaltebecken könnte auch konkret zur Kompensation des Wasserpegels der Wilden Rodach für die Flößerei beitragen. Die Stärkung eines wichtigen Touristischen Projektes in der Region wäre dadurch gegeben. Die Initiative der Stadt Wallenfels und der Politik im Landkreis Kronach hierzu ein Gutachten erstellen zu lassen wurde durchweg begrüßt.

 

Die Errichtung von Standgewässern wirkt bei sanfter Eingliederung in das Landschaftsbild auch belebend für dieses. Insbesondere die Wanderer im Frankenwald würden somit durch ein abwechslungsreich gestaltetes Landschaftsbild davon profitieren. Der Bau von zusätzlicher touristischer Infrastruktur, wie     z. B. Ruhebänke oder ggf. Trekkingplätze, ließe sich sicher offen diskutieren und wäre eine Anregung für eine Abrundung der Nutzungseffekte von Standgewässern.

 

Ralf Kremer erwähnte, dass im Bereich des Staatswaldes aktuell alte fischereirechtlich genutzte Teiche renaturiert werden. Auch wurden durch Ludwig von Lerchenfeld in dessen Privatwäldern drei solcher Umbauten bereits durchgeführt. Insgesamt seien diese Maßnahmen sehr zu begrüßen, da dies einen erheblichen naturschutzfachlichen Mehrwert bringe. Er regte jedoch an, diese Eingriffe so zu gestalten, dass ein Mehrfachnutzen möglich sein müsse. Naturschutzfachlich würden die Anlage von Flachwasserzonen, sowie die Durchgängigkeit des Fließgewässers eine ökologische Aufwertung bedeuten. Eine bauliche Gestaltung zum Erreichen der anderen genannten Vorteile wäre sicher im Einzelfall zu prüfen und bautechnisch realisierbar. Rechtliche Fragen hierzu, sowie Fragen der Umsetzung und Finanzierung, können nur gemeinsam mit allen öffentlichen Vertretern erörtert werden da die Fachbereiche eng miteinander vernetzt sind.

 

 

Grundsätzlich sollte die Betrachtung zum Thema Wasser nicht an Verwaltungsgrenzen halt machen dürfen, da die Vernetzung der Gewässer überregionale Bedeutung hat. Eine ähnliche Situation dürfte in den umliegenden Gebieten der Landkreise Kronach und Kulmbach vorliegen.

Der Verein „Unser Frankenwald“ regt als Folge des Treffens an, die Anlage eines landkreisübergreifenden Netzwerkes von Standgewässern auf Ebene der drei Landkreise Hof, Kronach und Kulmbach zu diskutieren.

 

Diskussion am ausgetrockneten Bachlauf der Lamitz

 

Von links: Kreisbrandinspektor des Inspektionsbereiches III im Landkreis Hof, Herr Rolf Hornfischer;
Kreisbrandrat des Landkreises Hof, Herr Reiner Hoffmann;
Leonhard Nossol; Stellvertretender Vorsitzender des Vereines „Unser Frankenwald“, Herr Ralf Kremer

 

Foto: Unser Frankenwald