Beitragsreihe – Kategorieen: Recht, Wald

Beitragsreihe – Kategorieen: Recht, Wald

Beitrag vom 24.06.2017

Thema: Schutzgebiete im Vergleich

Naturpark – Nationalpark – Entwicklungsnationalpark

Was ist das genau? Und was ist das Richtige für den Frankenwald? Wir versuchen den aktuellen Kenntnisstand zusammenzufassen und aus forstfachlicher Sichtweise zu bewerten….

Zunächst einmal: Jedes dieser Schutzgebietsmodelle ist klar definiert, für jedes gibt es klare gesetzliche Vorschriften oder international vereinbarte Vorgaben. Und die sind nicht verhandelbar.

1. Naturpark

Seit 1973 ist der Frankenwald Naturpark. Er umfasst eine Fläche von gut 100.000 Hektar, etwa die Hälfte davon ist bewaldet. Träger ist der Naturpark Frankenwald e.V., vertreten durch die Landräte der Landkreise Kronach, Hof und Kulmbach. Nach eigener Definition www.naturpark-frankenwald.de ist für den Naturpark charakteristisch ein “reizvoller Dreiklang aus gerodeten Hochflächen, bewaldeten Hängen und reizvollen Wiesentälern”. Der Naturpark Frankenwald hat sich u.a. folgende Ziele gesetzt, um Urlaubern und Einheimischen eine aktive und intensive Erholung zu ermöglichen:
* attraktive Angebote für Gäste mit dem Schutz von Natur und Landschaft verbinden
* Schutz der Landschaft und Natur, damit das Erholungspotential auch nachfolgenden Generationen zur Verfügung steht
* Lebensräume der heimischen Pflanzen (Arnika, Bärwurz, diverse Orchideenarten) und Tierwelt (Schwarzstorch, Eisvogel, Wasseramsel, Bekassine, verschiedene Fledermausarten) sowie Jahrhunderte alte Kulturlandschaft erhalten

Forstfachliche Einschätzung:

Die definierten Ziele für den Naturpark Frankenwald sind Auftrag und Verantwortung für alle, die mit dem Wald zu tun haben. Der Wald im Naturpark besteht zu ca. drei viertel aus Fichte, von Natur aus hier nicht heimisch. Wir wissen, dass die wasserbedürftige Fichte im Klimawandel bereits in naher Zukunft die Schutzfunktionen des Waldes im Frankenwald nicht mehr alleine erfüllen kann. Förster und Waldbesitzer müssen ihr möglichst viele Mischbaumarten zur Seite stellen, vor allem die tiefwurzelnde Tanne und die Buche, beide von Natur aus im Frankenwald zu Hause. Dabei gilt es, den Anteil der vermehrungsfreudigen Fichte zu begrenzen, damit der Borkenkäfer auch für nachfolgende Generationen beherrschbar bleibt. Diesen Prozess nennt man “Waldumbau”. Dabei gilt es, die empfindlichen Mischbaumarten immer wieder unter dem Schutz der bestehenden Fichtenwälder zu pflanzen und danach zu hegen und zu pflegen. Z. B. plant man im Staatswald, nach 80 bis 100 Jahren den Anteil der Fichte so auf deutlich unter 50 % begrenzt zu haben. Ein echtes “Jahrhundertprojekt”, zu dem es keine Alternative gibt, will man den Wald klimastabil in die Zukunft führen.
Gemessen an den Zielen des Naturparks ist ein naturnaher, gemischter Wald ideal, um alle Leistungen des Frankenwaldes nachhaltig zu erbringen: Schutz des Trinkwassers, Schutz des Waldbodens, Rohstoffquelle, Erhöhung der Biodiversität, Erholungs- und Rückzugsraum für Mensch und Natur.

 

2. Nationalpark

Nationalparke haben ein klar definierte gesetzliche Zielrichtung: Den möglichst ungestörten Ablauf der Naturvorgänge in ihrer natürlichen Dynamik zu gewährleisten.

Ergänzend zum Bundesnaturschutzgesetz fordert das Bayerische Naturschutzgesetz eine Mindestgröße von 10.000 Hektar. Verwaltet wird ein Nationalpark von einer Sonderbehörde (Nationalparkverwaltung), die unmittelbar dem Umweltministerium untersteht.

Forstfachliche Einschätzung:

Im Nationalpark steht eindeutig der Schutz natürlich ablaufender Prozesse im Vordergrund. Die in einem Naturpark angestrebten Ziele bzw. die übrigen Leistungen des Waldes treten dabei zurück bzw. werden eingeschränkt. Die für ein Gebiet angepassten Regelungen werden in einer „Nationalparkverordnung“ mit Gesetzescharakter festgeschrieben. Die nachhaltige Rohstoffproduktion entfällt langfristig vollständig, Holz wird nicht mehr genutzt. Die Möglichkeiten zur Walderholung werden je nach Schutzzone eingeschränkt (Wegegebote, Betretungsverbote). Die Schutzfunktionen müssen durch spezielle Sicherungsmaßnahmen erhalten werden.
Im Frankenwald ist aus forstfachlicher Einschätzung das Hauptproblem bei der Umsetzung der gesetzlich geforderten Flächenstilllegung die Fichte. Die Erfahrungen im Bayerischen Wald haben gezeigt, dass die Stilllegung von Fichtenwald höchstwahrscheinlich das totale Absterben durch den Borkenkäfer bedeutet. Dieser Vorgang würde im Frankenwald durch die flachgründigen Böden noch deutlich schneller ablaufen, zusätzlich verstärkt durch die zunehmend trockeneren Sommer in der Folge des Klimawandels. Eine Pflanzung tiefwurzelnder Mischbaumarten, im Frankenwald für den Wald überlebensnotwendig, wäre nicht mehr möglich. Absterbende Fichte würde im günstigsten Fall durch natürliche Fichtenverjüngung ersetzt. Unverjüngte Hänge würden vergrasen und eine Gefahr für die Hangsicherung und den Trinkwasserschutz darstellen. Sicher würden sich bestimmte „Urwaldarten“ einstellen oder stärker vermehren. Die gesamte Artenzahl würde allerdings gegenüber einem naturnah bewirtschafteten Wald zurückgehen. Auf einem kahlen Altbaum kann kein Schwarzstorch horsten.

 

3. Entwicklungsnationalpark
Die Lösung?

WIKIPEDIA schreibt hierzu:

Auch hier gibt es klare internationale Regeln, die wiederum Grundlage für das gesetzliche Handeln sind. Danach ist eine Übergangszeit definiert, in der noch nicht schutzwürdige Fläche aktiv in Stilllegungsfläche entwickelt werden sollen. Das kann bei Waldflächen durch Entnahme unerwünschter Baumarten, die Pflanzung erwünschter Baumarten und Maßnahmen gegen tierische Schädlinge geschehen. Aber die Sache hat einen Haken: Die Zeit für dieses Handeln ist auf maximal 30 Jahre beschränkt. Danach müssen 75 % der Fläche ohne weitere Eingriffe auskommen.

Forstfachliche Einschätzung:

Eine Unterpflanzung aller Fichtenbestände mit den erwünschten Mischbaumarten ist innerhalb einer solchen Frist nicht möglich. Sie müsste von einer zusätzlichen Auflichtung auch jüngerer Bestände begleitet werden, was wiederum eine verstärkte Fichtennaturverjüngung zur Folge hätte. Dazu käme die nicht nachhaltige Übernutzung der Waldbestände mit höherer Freisetzung von CO2.
Alle im Frankenwald erzielbaren naturnahen Mischbestände behalten einen mehr oder weniger hohen Fichtenanteil. Das bedeutet unweigerlich dauerhafte Maßnahmen gegen den Borkenkäfer, wenn nicht die Fichte erneut die Führung übernehmen soll. Das bedeutet weiterhin: Stilllegungsflächen in größerem Ausmaß, die nur ein Mindestmaß der benötigten Schutzeigenschaften haben, sind im Frankenwald nicht „so “kurzen” Zeiträumen entwickelbar. Nicht in 30 Jahren und auch nicht in 100 Jahren.

Ihr Redaktionsteam – Dialogplattform

Frankenwald verbindet