Beitragsreihe – Kategorie: Wald

Beitragsreihe – Kategorie: Wald

Beitrag vom 26.06.2017

Thema: Entwicklung der Baumartenzusammensetzung im Frankenwald

Die Fichte und der Frankenwald

Die Fichte ist so eng mit dem Frankenwald verbunden, dass man meinen möchte, sie wäre schon immer hier heimisch gewesen. Wie sollten wir auch etwas anderes annehmen? Bis in unsere frühesten Kindheitserinnerungen zurück hat sich der Duft von Harz, Nadeln oder geschlagenem und entrindetem Holz tief in unsere Seelen gesenkt, so dass wir den Frankenwald auch dann riechen können, wenn wir tausende Kilometer weit weg sind und ihn bildlich vor uns haben. Aber wie steht es mit der Natürlichkeit der Fichte im Frankenwald tatsächlich?
Ein Blick zurück ins Mittelalter bringt das Bild von der Fichte als heimatprägendes Urgewächs bereits ins Wanken. In den Waldbeschreibungen des 16. Jahrhunderts liest man von Tannen, Buchen, Ahorn und sogar Eichen. Aber nichts von der Fichte. Aber noch etwas ist bemerkenswert: Im Mittelalter entsprach die Baumartenzusammensetzung bereits schon der, die die Forstwissenschaftler im Zuge des Klimawandels am Ende des 21. Jahrhunderts wieder für geeignet und klimaangepasst halten.

In der Tat ist die Fichte erst in den letzten 300 Jahren durch die aktive Forstwirtschaft in den Frankenwald gekommen. Die Fichte ist eine Baumart, die fast allen Ansprüchen der industriellen Revolution entsprach: Papier- und Bauholzlieferant, Holz für die Bergwerksstollen, Rohmaterial für die Holzkohlegewinnung. So erfuhr sie laufende Begünstigung zulasten der ursprünglich heimischen Baumarten, so dass ihr Anteil heute ca. drei viertel am gesamten Baumbestand im Frankenwald beträgt. Die Fichte ist eine eigentlich natürliche Baumart der Kammlagen der hohen Mittelgebirge (ab 1000m Höhe ü.N.N) und des Hochgebirges sowie der sibirischen Taiga. Kurz gesagt sie liebt es kühl und Böden mit guter Wasserversorgung. Daher hat wahrscheinlich auch die sogenannte “Kleine Eiszeit”, eine kühl-feuchte Zwischenperiode beginnend mit den Pestjahren um ca. 1350 bis ungefähr um 1880 , die Ausbreitung der Fichte zusätzlich begünstigt.

In der Nationalparkdiskussion werden paradoxerweise häufig Parallelvergleiche zwischen Frankenwald und Bayerischem Wald gezogen. Dabei sind gerade die klimatischen Unterschiede zwischen diesen beiden Mittelgebirgen unerwartet groß.

Im Bayerischen Wald sind die Jahresdurchschnittstemperaturen um ca. 2,5 °C niedriger als im Frankenwald. Das entspricht ungefähr dem Temperaturgefälle zwischen Hof und Würzburg. Gleichzeitig fallen im Bayerischen Wald übers Jahr gerechnet 600 Liter mehr Niederschlag als im Frankenwald. Mit anderen Worten: Der Frankenwald ist im Vergleich mit den anderen ostbayerischen Mittelgebirgen ein eher trocken-warmes Mittelgebirge, in dem eine an kühl-feuchtes Klima angepasste Fichte natürlicherweise nicht zuhause wäre. Ein Rechenbeispiel mit realistischen Erfahrungswerten soll dies untermauern: Die Frankenwaldböden aus Schieferverwitterung können ca. 100 Liter maximal pflanzenverfügbares Wasser pro m² speichern. Dieser Maximalwert wird aber selten erreicht. Ein 40 bis 70 Jahre alter Fichtenbestand verdunstet zwei bis drei Liter Wasser pro m² am Tag. Das bedeutet, dass ab der vierten Woche ohne Niederschläge die Fichten quasi auf dem Trockenen stehen, weil ja nur in seltenen Fällen die Böden zu Beginn einer Trockenperiode mit pflanzenverfügbarem Wasser voll aufgefüllt sind. Unter Berücksichtigung des Klimawandels werden die Trockenperioden noch länger und auch noch heißer werden als es jetzt schon bereits der Fall ist. Fichten, die kein Wasser mehr bekommen, sind ein willkommenes Opfer für den Borkenkäfer.

Das alles soll nicht heißen, dass die Fichte im Frankenwald nichts wert sei. Ganz im Gegenteil. Wir müssen nur lernen in der Waldwirtschaft anders mit ihr umzugehen. Nur in der Mischung mit Laubholz und Tanne kann sie ihr volles Potential optimal entfalten. Und zum Erhalt dieser baumartenreichen Mischungen, die ja an sich schon hohen naturschutzfachlichen Wert besitzen, ist eine naturnahe Forstwirtschaft anzustreben.

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